CAS Agile Organisation

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Personal Agility – mein agiles Mindset

Posted by Katja Schibler on 11.10.2018

Dieses Modul widmete sich der persönlichen Agilität: wie agil bin ich, welches persönliche agile Mindset habe ich, wie kann ich es fördern, wo kann ich es verbessern?

Mein Agiles Mindset

Was versteht man eigentlich unter agilem Mindset?

Synonyme für «agil» sind: rege, anpassungsfähig, dynamisch. Wenn man Mindset mit «Denkweise», «Haltung», «Einstellung» übersetzt, ist mit agilem Mindset die Denkweise gemeint, um Veränderungen zu verstehen und angemessen darauf zu reagieren und zu handeln. Das persönliche Mindset ist die persönliche Denkweise jedes einzelnen. Wie kann ich nun mein persönliches agiles Mindset beeinflussen? Die Unterscheidung zwischen «Growth mindset» und «Fixed mindset» definiert die Motivationspsychologin Carol Dweck wie folgt. Menschen, die eher in die Gruppe «fixed mindset» gehören, sind überzeugt, dass Ihre Fähigkeiten angeboren sind, Scheitern führen sie auf fehlende Fähigkeiten zurück. Menschen mit einem «growth mindset» sind der Meinung, dass sie alles mit Fleiss und Einsatz erreichen können, Fehler sehen sie als Chance, um daraus zu lernen. Persönliche Agilität erfordert somit ein «growth mindset». Ständiges Weiterentwickeln seiner eigenen agilen Denkweise durch Training, Erfahrung und Feedback soll helfen, sein persönliches agiles Mindset zu entwickeln. Schon allein, dass ich mich mit dieser Unterscheidung beschäftige, hilft mir, um meine persönliche Agilität weiterzuentwickeln. Für mich bedeutet das, Verantwortung zu übernehmen, transparent zu kommunizieren, offen für andere Meinungen zu sein und Fehler einzugestehen und daraus zu lernen.

Wo Menschen in Beziehung zueinander treten, ist Kommunikation unabdingbar. Kommunikation findet auf allen Ebenen und zwischen allen Rollen statt oder wie es Paul Watzlawick ausdrückt: «Man kann nicht nicht kommunizieren.» Unter guter Kommunikation gehört für mich die Wertschätzung gegenüber den Gesprächspartnern sowie das gegenseitige Verstehen. Aktive Zuhören bedeutet, nicht nur den Inhalt, sondern auch die Gefühle und Empfindungen zu berücksichtigen- also verstehen, was mein Gegenüber gesagt hat. Ich helfe mir meist mit folgenden Techniken: Ich stelle Gegenfragen und fasse das Gesagte nochmals zusammenfassen. Oft hilft auch eine kleine Grafik oder «Gekritzel» am Whiteboard, um sich gegenseitig zu verstehen. Gute Kommunikation, dazu gehört auch die gewaltfreie Kommunikation, fördert die Zusammenarbeit und das Arbeitsklima. Gerade bei Missverständnissen oder in Konfliktsituationen sollte man sich nicht von Gefühlen leiten lassen, sondern dem Gegenüber mit Empathie und Wertschätzung bei der Kommunikation entgegenkommen. Deswegen ist es wichtig, diese Verhaltensweise verinnerlicht zu haben, um in hektischen Situationen richtig zu reagieren.

Selbstmanagement

Wie organisiere ich mich und kann ich mich verbessern?

Da ich in einem Chaos nicht arbeiten kann, bin ich eher ein organisierter Mensch. Da jede Ablenkung auch eine Verzögerung der gerade durchgeführten Arbeit bedeutet, habe ich mir angewöhnt, E-Mails gleich am Morgen zu lesen. Mails, die gleich beantwortet werden können, beantworte ich gleich, unwichtige Mails werden gelöscht und Mails, welche mehr Aufwand bedeuten werden dem Projekt zugeordnet und deren Inhalt wandert ins Backlog. Sobald ich mich auf eine Arbeit konzentrieren, versuche ich die Mailbox nicht mehr zu prüfen, was mir auch nicht immer gelingt, denn manchmal warten man noch wichtigen Input. Meine Backlogs führe ich pro Projekt, Tasks, welche keinem Projekt zugeordnet werden können, landen in einer allgemeinen Taskliste. Ich gebe zu, den Überblick über verschiedenen Backlogs zu behalten ist nicht immer einfach. Sobald ich eine Aufgabe begonnen habe, versuche ich, mich möglichst gut darauf zu konzentrieren und mich nicht ablenken zu lassen bzw. nicht vom Thema abzuschweifen. Jede Ablenkung, sei sie auch so willkommen, führt zu mehr Unterbrechungen und schlechten Ergebnissen und somit zu weniger Zufriedenheit.

In dem Buch «Die 4-Stunden Woche» von Timothy Ferris steht, dass man nicht mehr Aufgaben pro Tag machen sollte als auf ein Blatt Papier der Grösse A7 passt. Wenn ich wieder einmal frustriert heimgehe, mit den Gedanken, heute nichts erledigt zu haben, nehme ich diesen Ratschlag gerne an. Ich schreibe maximal drei Tasks für den folgenden Tag auf einen Zettel. Wenn ich dann am Ende des Tages diese drei Punkte abgearbeitet, und zwar vollständig abgearbeitet habe, steigt auch wieder die Zufriedenheit am Heimweg.

Timothy Ferriss weist auch darauf hin, dass man bei Aufgaben mehr Wert auf Effektivität (Dinge zu tun, die uns näher an unser Ziel bringen) als auf Effizienz (eine Aufgabe, egal ob wichtig oder nicht, so ökonomisch wie möglich zu erledigen) legen sollten. Dazu sollte man sich folgende Binsenweisheit merken:

  • Etwas Unwichtiges wird auch dadurch, dass man es gut erledigt, nicht zu einem Wichtigem.
  • Die Tatsache, dass eine Aufgabe viel Zeit in Anspruch nimmt, macht sie nicht wichtig.

Bei der Priorisierung von Aufgaben sollte man sich daher fragen, welche Aufgabe bringt mich meinem Ziel näher. Somit schafft eine gute Priorisierung mehr Zeit und höhere Zufriedenheit oder anders ausgedrückt: Mangel an Zeit ist eigentlich ein Mangel an Prioritäten.

Die Psychologie des Gelinges

Positives Denken soll nicht mehr gefragt sein? Nach neuesten Forschungsergebnissen von Gabriele Oettingen hilft uns positives Denken nicht so viel weiter, wie angenommen wurde, es kann sogar kontraproduktiv sein. Gerade Traumvorstellungen versetzten uns eher einen angenehmen, entspannten Ruhezustand und halten uns davon ab, unseren Traum auch umzusetzen. «Positiven Denken» kann zwei Formen annehmen: einerseits in der Realität verwurzelter Optimismus und andererseits Tagträume und Wunschvorstellungen. Bei ersteren verlassen wir uns auf in der Vergangenheit bereits positive Erfahrungen und gehen davon aus, dass es auch diesmal wieder klappt. Bei Träumen entfliehen wir der Realität und schwelgen in angenehmen Phantasien. Wie können wir nun aber doch unsere Träume verwirklichen? Dazu hat die Motivationspsychologin die sogenannte WOOP Technik entwickelt. WOOP steht für Wish – Outcome – Obstacle – Plan. Kurz zusammengefasst: Ich denke mir einen Wunsch aus, den ich umsetzen möchte, frage mich, wie das beste Resultat aussehen könnte, stelle mir mögliche Hindernisse vor und schmiede einen konkreten Plan, wie ich auf voraussehbare Hindernisse reagieren werde. So werden unbewusst Verknüpfungen geschaffen, die helfen sollen, Wünsche oder Ziele mit mehr Erfolg zu erreichen.

Kann uns diese Technik helfen sich zu verändern. Viele Menschen sind unzufrieden, unternehmen jedoch nichts, um es zu ändern. Sie haben Angst von Veränderungen. Kurzfristiges Umdenken und Neuanschauen sind oft der erste Schritt eine Veränderung zu machen. Wenn wir ein Ziel, das Resultat, seine Hindernisse und einen «wenn.., dann..»-Plan zu Hand haben, können wir in kleinen Schritten anfangen uns zu ändern. Die geschaffenen Erfolgserlebnisse motivieren, uns wieder neue Ziele zu stecken. Und sollte es dennoch einen Rückschlag geben, haben wir Plan B parat. So nach dem Spruch nach Samul B. Beckett:

«Ever tried. Ever failed.

No matter. Try again.

Fail again.

Fail better.”

helfen uns auch Misserfolge zum Ziel zu gelangen.

Fazit

Ich habe mir durch diverse Bücher das Wissen über Agile Vorgehensweisen angeeignet. Gemeinsam mit dem Input von diesen CAS möchte ich mein Umfeld, beginnend mit einem internen Entwicklerteam, in die Agilität führen. Dabei ist mir wichtig, das erworbenen eigene agile Mindset auf die anderen Teammitglieder zu übertragen, um dann gemeinsam die geeignetste Methode zu erarbeiten und anzuwenden. Für mich war das Thema persönliche Agilität sehr hilfreich, um zu reflektieren, wo ich persönlich stehe und wo ich mich persönlich noch weiterentwickeln möchte.

 

Quellen

https://en.wikipedia.org/wiki/Carol_Dweck

«Die 4-Stunden Woche» von Timothy Ferriss

«Die Psychologie es Gelingens» Gabriele Oettingen

 

 

One Response to “Personal Agility – mein agiles Mindset”

  1.   David Berger Says:

    Eine sehr fundierte Analyse des Moduls. Die 4-Stunden-Woche wäre eigentlich auch ein passender Aufhänger des Themas “Selbstmanagement” gewesen – ich bin froh, dass du das nun bringst. Eventuell kannst du in Seitendiskussionen mit deinen Kollegen eine kleine Empfehlung aussprechen. Insbesondere die Erkenntnis der Effektivität ist sehr dienlich. In meinem persönlichen Beispiel war es in Vergangenheit nicht “wertvoll”, alle meine Aufgaben möglichst komplex und in möglichst überdrehten Werkzeugen zu verwalten – und so zu tun, als sei das eine wichtige Aufgabe, bloss weil sie mich permanent beschäftigt.

    Auch deine andere Referenz aus der Motivationspsychologie gefällt mir sehr. Ich hoffe, du kannst dieses Wissen deinen Kollegen teilen – davon lebt das CAS meines Erachtens und nicht vom Frontalen der Dozierenden, die auch bloss ihre Wirklichkeit konstruiert haben und sich stets weiterentwickeln müssen. Ich kannte den WOOP-Ansatz nicht und habe selber nun etwas lernen können. Perfekt!

    Ist abgenommen.