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Wie lassen sich Konflikte konstruktiv nutzen?

Posted by Erwin Lander on 17.10.2020

Im Modul Team Agility habe ich eine neue und wirksame Methode kennengelernt: Constructive Controversy. Die Methode einer „konstruktiven Kontroverse“ wird von den Autoren wie folgt beschrieben: „Eine konstruktive Kontroverse entsteht, wenn die Ideen, Informationen, Schlussfolgerungen, Theorien, und Meinungen einer Person nicht mit denen einer anderen Person kompatibel sind und eine Einigung erzielt werden muss” (Quelle: Johnson et al. 2006).

Doch bevor ich hier diese Methode der konstruktiven Kontroverse beschreibe, macht es Sinn, zuerst einmal die möglichen Konfliktstile aufzuzeigen, d.h.  auf welche Weise wir mit Konflikten umgehen können.

Grundlage dazu ist das Verhaltensgitter „The Manegerial Grid“ von Blake, R. / J.S. Mouton Huston 1967.  Dabei wird auf zwei Achsen aufgezeigt, ob die eigenen Interessen oder die Interessen anderer im Vordergrund stehen. Daraus ergeben sich fünf grundsätzliche Konfliktstile.

Konfliktstile

In der nachfolgenden Tabelle zeige ich das Mapping von den fünf Konfliktstilen zur bekannten Harvard-Methode zur Konfliktlösung auf.

Konfliktstil Harvard-Methode zur Konfliktlösung
Vermeide Loose-Win
Nachgeben Loose-Win
Kompromiss Loose-Loose
Durchsetzen Win-Loose
Gemeinsames Problemlösen Win-Win

Je nach Typ Mensch werden die unterschiedlichen Konfliktstile situativ angewendet. Meiner Meinung nach am häufigsten angewendet werden: Vermeide, Kompromiss und Durchsetzen. Studien von R.J. Burke (1970) haben jedoch gezeigt, dass insbesondere beim Konfliktstil Durchsetzen es auf den ersten Blick für die eine Seite ein Erfolg (Win) war. Wenn man aber die Umsetzung des Entscheides oder Lösung anschaut, diese mehrheitlich unwirksam war, da es eben auch Verlierer gab, welche wenig Interesse hatten, zu einer wirksamen Lösung beizutragen.

Gemeinsames Problemlösen (Win-Win) mittels Constructive Controversy wird aus meiner Sicht zu wenig genutzt, obwohl die damit erarbeiteten Entscheide und Lösungen, im Vergleich eine höhere Wirksamkeit haben. Entscheide und Lösungen ohne oder wenig Wirksamkeit sind nutzlos und zu vermeiden.

Die nachfolgende Tabelle zeigt auf, welche konkreten Schritte die Methode umfasst, mit entsprechenden Hinweisen zur wirksamen Anwendung.

Vorgehensschritte – Constructive Controversy Hinweise
Problem und Handlungsalternativen bestimmen Am besten eignen sich kontroverse Themen, bei denen die Positionen weit auseinander sind.
Rollen und Positionen zuweisen Es sollen zwei Gruppen d.h. für jede Position gebildet werden.
Positionen erarbeiten Jede Gruppe erarbeitet ihre eigene Position und dokumentiert diese auf einem Flipchart.
Präsentation und Diskussion I Jede Gruppe stellt der andern Gruppe ihre Position vor. Wichtig: Es sollen nur Verständnisfragen gestellt werden.
Perspektivenwechsel/Positionentausch Der zentrale Schritt der Methode. Die Gruppen wechseln ihre Positionen und somit auch deren Perspektiven. Dies hat den Vorteil, dass man sich mit der anderen Position auseinandersetzen muss.
Andere Positionen erarbeiten Jede Gruppe bearbeitet/ergänzt ihre neue Position und dokumentiert diese auf dem bestehenden Flipchart. Damit entwickelt sich die Position weiter.
Präsentation und Diskussion II Jede Gruppe stellt der andern Gruppe ihre Position vor. Wichtig: Es sollen wieder nur Verständnisfragen gestellt werden.
Ergebnissichtung Diskussion Entscheidung weiteres Vorgehen Die gemeinsame Sichtung der Ergebnisse zeigt meistens eine neue Lösung auf, an die, bis jetzt noch gar nicht gedacht wurde. Dies erfolgt durch die Integration und Weiterentwicklung von Elementen von beiden Positionen. Vorteil: Es gibt hier keine Verlierer, sondern alle haben zur Lösung beigetragen (Win-Win). Dies erhöht die Wirksamkeit in der Umsetzung erheblich.
Prozessreflexion Die Reflexion umfasst mehrere Punkte: Wie habe ich mich gefühlt (zu Beginn und im Verlauf)?, Was waren meine Erkenntnisse?, Werde ich wieder an einem solchen Prozess teilnehmen? Werde ich diese Methode selbst anwenden?

Wir hatten im Rahmen des CAS die Möglichkeit diese Methode einmal anzuwenden. Unser Thema war: Homeoffice versus Präsenz. Das Ergebnis am Schluss, war Homeoffice, aber mit Rahmenbedingungen. Aus meiner Sicht eine bessere Lösung als die Positionen zu Beginn. Zentraler Punkt dazu, war der Perspektivenwechsel/Positionentausch. Wir mussten uns mit der anderen Position beschäftigen und haben dabei neue Erkenntnisse erlangt, welche für die neue Lösung notwendig waren.

Ergebnis der Anwendung der Methode am Beispiel Homeoffice vs. Präsenz

Aus meiner Sicht sollte diese Methode Constructive Controversy im Standard-Toolset einer jeden Firma enthalten sein. Alle Mitarbeiter sollten in der Lage sein, die Methode anwenden zu können. Entscheidungsprozesse sollten immer den Schritt: Anwendung der Methode Constructive Controversy beinhalten. So werden effektiv bessere Lösungen mit höherer Wirksamkeit in der Umsetzung erarbeitet und darum sollte es ja eigentlich gehen.